Über die Perlen des Lebens

PerlenEs war im Spätsommer 1995. Martin Lönnebo war als Bischof des Stiftes Linköping gerade in den Ruhestand gegangen. Nun war er in Griechenland, fuhr mit dem Boot von Insel zu Insel, las und genoss die freie Zeit. Doch ein viel zu früh einsetzender Herbststurm zwang das Boot zurück in einen Hafen. Die Insel, auf der das Boot anlandete, war klein, siebenundvierzig Einwohner, den Pfarrer des Dorfes mitgerechnet. Martin Lönnebo konnte ein kleines Zimmer anmieten – und in diesem Raum begann er den Perlenkranz zu zeichnen, der nun die „Perlen des Lebens“ heißt.

Inzwischen tragen Zehntausende die Perlen des Lebens bei sich – am Handgelenk, in Jackentaschen, Hosentaschen oder Handtaschen. Die Perlen des Lebens haben unzähligen Menschen zu einem vertieften Gebetsleben und einem innigeren Kontakt mit Gott verholfen. Sie werden im Zusammenhang mit unterschiedlichen Aktivitäten in Kirchengemeinden verwendet, in Kinder- und Jugendgruppen, in der Konfirmandenarbeit und in anderen Gemeindekreisen. Im folgenden Interview, das Carolina Johansson mit Martin Lönnebo geführt hat, berichtet der Erfinder der Perlen des Lebens über die Hintergründe und den Entstehungsprozess der Perlen des Lebens.

Wie bist du auf die Idee mit den Perlen des Lebens gekommen?

Ich habe lange nach etwas gesucht, das dem gehetzten Menschen von heute hilft, sich seinem inneren Leben zu nähern. Heutzutage gibt es viele Menschen, die auf der Suche sind, aber viele wissen nicht, was sie machen sollen.

Wie fängt man an?

Das, wonach ich suchte, sollte eine Art des Gebets sein. Es sollte leicht zu benützen sein und es sollte leicht sein, sich damit vertraut zu machen. Ich dachte über unterschiedliche Hilfsmittel zum Gebet und zur Meditation nach, zum Beispiel Ikonen, Kerzen und den Rosenkranz – und ich stellte mit Erstaunen fest, dass es unter evangelischen Christen keinerlei Hilfsmittel zur Konzentration gibt. Und auf der anderen Seite waren wir nie so unkonzentriert, wie wir es heutzutage sind.

Weshalb sollte es in Gebetsform sein?

Die Beziehung zu Gott wird durch Gebet und Meditation hergestellt. Das Gebet soll unser Glaubensbekenntnis sein.

Weshalb gerade ein Gebetskranz?

Gebetskränze und Gebetsketten gibt es in ganz unterschiedlichen Kulturen und Traditionen. Außerdem sind sie einfach schön!

Was wolltest du mit dem Gebetskranz erreichen?

Der Kranz sollte den Kern des christlichen Glaubens zusammenfassen und vermitteln – und zwar in einer Form, der sich der moderne Mensch ohne Angst nähern kann. Außerdem sollte es etwas Konkretes sein, das man in die Hand nehmen kann. Berührung ist von ganz zentraler Bedeutung für den Menschen – das wird häufig übersehen in unserer Zeit, in der die Vermittlung und Aufnahme von Information vor allem von den Ohren und Augen dominiert wird.

Benützt du selbst die Perlen des Lebens?

Ich habe sie immer in der Jackentasche. Und immer, wenn ich meine Hand in die Tasche stecke, werde ich an die Anwesenheit des Heiligen erinnert, an das, was im Leben wirklich wichtig ist.

Wie haben die Perlen des Lebens dein Gebetsleben beeinflusst?

Sie helfen mir, konzentriert zu sein. Man darf sich nicht zu sehr nach außen treiben lassen. Wir Menschen werden die ganze Zeit an die Peripherie geschleudert und so werden wir dazu verführt, zu glauben, dass dort das Zentrum des Lebens liegt. Das Unwichtige, Unwesentliche wird zum Wesentlichen. Der Kranz weist die ganze Zeit zum Zentrum, zur Einfachheit, die aber keine Vereinfachung ist.

Wie sah der erste Kranz aus?

Den hatte ich aus Holzkugeln für mich selbst hergestellt, um zu sehen, ob er „funktioniert“. – Und das tat er. Aber die meisten anderen glaubten nicht daran. Einige fanden, dass das Ganze kindisch war. Andere meinten, dass der Kranz etwas Verdächtiges in sich barg, etwas Mystisches, dass er an ein magisches Schmuckstück erinnere. Ich versuchte zu erklären, dass auch das Gebet magisch ist, aber diese Erklärungsversuche halfen nichts.

Bist du erstaunt über den Erfolg der Perlen des Glaubens?

Nein, das freut mich. Am Anfang war es beinahe nur ich selbst, der daran glaubte. Aber nun bin ich überhaupt nicht mehr beunruhigt. Die Perlen des Lebens verbreiten sich aus eigener Kraft und sie „funktionieren“ – für die Menschen, für die sie passend sind.

Was machst du, wenn du keine Vorträge über die Perlen des Lebens hältst?

Ich schreibe ziemlich viel. Außerdem arbeite ich in meinem Garten und ich male gerne, wenn ich Zeit dazu habe. Und gerade habe ich angefangen, einen Schmiedekurs zu machen und schmieden zu lernen.

Schaust du Fernsehen?

Ich bin relativ skeptisch gegenüber Information, aber ich sehe jeden Abend Nachrichten. Und ich bin interessiert an Sport und schaue mir Sportsendungen an. Außerdem sehe ich gerne Wissenschaftsprogramme.

Wer braucht die Perlen des Lebens?

Alle, die danach suchen. Trotz des vorherrschenden säkularisierten Menschenbildes hören die Menschen nicht auf, nach Gott zu fragen. – Gibt es das Heilige? Gibt es das Göttliche? – Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden, braucht man Zeit und Aufmerksamkeit. Doch beides ist in unserer Zeit Mangelware. Die Menschen haben es heutzutage so eilig. Die Perlen des Lebens wollen uns dazu bringen, das Tempo zurückzunehmen. Sie wollen uns zum Innehalten bringen.

(Text: Carolina Johansson)

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